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Von Rio de Janeiro nach Oschersleben

Im Fahrerlager der Motorsport Arena Oschersleben knattert beim ADAC Masters Weekend ein Renn-Trabant an Walter Salles vorbei. Der renommierte brasilianische Regisseur erklärte soeben noch die Vorzüge seines Matech-Ford GT, nun zieht die „Rennpappe“ der ADAC-Haigo-Oldtimerserie all seine Aufmerksamkeit auf sich. Salles ist begeistert: „Unglaublich, dieses Auto! Sollte mich nochmals jemand fragen, warum ich in einem Ford GT Rennen fahre, muss ich nun antworten: Weil ich nicht wusste, dass es eine Rennversion des Trabant gibt!“

Salles dreht nicht nur hochgelobte Filme, sondern ist auch seit Jahren vom Rennvirus befallen: "Schuld daran sind meine Filmkollegen Steve McQueen und Paul Newman. Deren Rennfilme haben mich in ihren Bann gezogen." Zuletzt war Salles mit dem preisgekrönten Film "Die Reise des jungen Ché" auch an deutschen Kinokassen erfolgreich. Zu Hause in Rio de Janeiro steht bei Salles ein Goldener Bär im Regal, mit dem er 2003 auf der "Berlinale" ausgezeichnet wurde.
 
Wie kam es zu dem Einsatz beim ADAC Masters Weekend in Oschersleben? "Eines meiner Filmprojekte hat sich verschoben. Ich nutze die Drehpause, um in diesem Jahr etwas mehr Autorennen zu fahren. Für Matech GT Racing starte ich in der FIA-GT3-Europameisterschaft, in Oschersleben fuhren wir ein Testrennen. Von schnellen Piloten wie meinem Partner Thomas Mutsch kann ich noch sehr viel lernen." Erfahrung mit dem von Matech aufgebauten Ford GT sammelte Salles im letzten Jahr bereits in der brasilianischen GT3-Meisterschaft. In seiner Heimat teilt sich der 53-Jährige eine der V8-Flundern mit dem ehemaligen Grand-Prix-Piloten Ricardo Rosset. "Leider hatten wir zu Saisonbeginn zwei technische Defekte, die haben uns schließlich in Brasilien die Meisterschaft gekostet."
 
Die Strecke in Oschersleben musste Salles erst einmal lernen: "Der Kurs ist sehr kniffelig. Ich gehöre nicht zur Videospiel-Generation und lerne neue Strecken nicht auf der Playstation, sondern ‚erfahre‘ sie lieber auf die altmodische Weise", lacht Salles. Für das erste Rennen stellte Salles seinen Ford auf Startplatz 14. Im Rennen am Ostersonntag, seinem 53. Geburtstag, kamen Salles/Mutsch nach einem Dreher in der Startphase noch auf Rang neun. Am Montag konnten Salles/Mutsch wegen einer defekten Antriebswelle nicht starten.
 
Gleich nach dem ADAC Masters Weekend reiste Salles von Oschersleben zum nächsten Drehort. An zwei Projekten arbeitet der umtriebige Brasilianer momentan. Was steht auf dem Drehplan? "Zwei unterschiedliche Filme, einer davon ist ein Roadmovie", erzählt Salles. Ein Film also, dessen Handlung auf der Straße spielt. Was sollte ein motorsportverrückter Regisseur auch sonst drehen?