Sven Hannawald fuhr im ADAC GT Masters auf das Podium Foto: ADAC Motorsport
Sven Hannawald fuhr im ADAC GT Masters auf das Podium Foto: ADAC Motorsport

Erinnerungen an 200 Rennen ADAC GT Masters

Protagonisten aus 14 Saisons blicken zurück

Meister, Sieger und prägende Akteure erinnern sich an Highlights in der „Liga der Supersportwagen“ und sagen, was die Serie zu etwas Besonde

Christopher Haase (33/Kulmbach), ADAC GT Masters-Champion 2007: „Das erste Rennen in einer neuen Rennserie zu gewinnen wird man nie vergessen. Dass Gianni Morbidelli und mir dies 2007 beim Premierenrennen des ADAC GT Masters gelingt, damit hatte niemand gerechnet. Die Erfolge haben auf jeden Fall danach meine Karriere beflügelt. Auch wenn das Feld 2007 noch nicht so groß war wie heute, waren schon viele gute Fahrer am Start. Seitdem hat sich die Serie ultrastark weiterentwickelt. Es ist heute eine der besten GT-Serien überhaupt. Jeder GT-Fahrer möchte hier antreten. Daher freue ich mich sehr, nicht nur beim ersten, sondern jetzt auch beim 200. Rennen dabei zu sein.“

Jules Gounon (25/F), ADAC GT Masters-Champion 2017: „Das ADAC GT Masters war die Chance meines Lebens. Ich hatte Ende 2015 kein Budget mehr, um weiter Rennen fahren zu können. Doch dann haben mir Ernst Wöhr und Giovanni Ciccone von Callaway Competition die Möglichkeit gegeben, in Hockenheim für ihr Team zu testen. Der Test verlief gut, und danach haben beide es möglich gemacht, dass ich für das Team im ADAC GT Masters fahren konnte. Sie haben damit meine Karriere gerettet. Ich hatte zwei sensationelle Jahre im ADAC GT Masters. Gleich im ersten Jahr haben wir drei Rennen gewonnen, 2017 sogar den Titel. Ohne das ganze Team von Callaway und die Erfolge im ADAC GT Masters wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Denn nur dadurch habe ich die Chance bekommen, mit Audi 2017 die 24 Stunden von Spa zu gewinnen und dann Bentley-Werksfahrer zu werden. Ich werde die Zeit nie vergessen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mal wieder im ADAC GT Masters starten könnte.“

Sven Hannawald (45/Gauting), Starter im ADAC GT Masters von 2008 bis 2011: „Für mich war das ADAC GT Masters ein Meilenstein. Ich war schon immer Motorsport-Fan und bin nach meiner Skisprung-Karriere einige Markenpokal-Rennen gefahren. Es war wirklich toll, als ich dann durch meinen lieben Freund Axel Watter im ADAC GT Masters starten durfte. Anfangs habe ich nur ein paar Gaststarts absolviert, wodurch es für mich nicht einfach war, da mir die Fahrpraxis fehlte. Aber 2010 habe ich ein festes Cockpit bei Callaway Competition bekommen. Mein Teamkollege war Thomas Jäger. Er war ein absoluter Teamplayer und ein super Fahrlehrer. Ich habe unheimlich viel von ihm gelernt. Ich habe die Zeit wirklich genossen, auch wenn ich am Anfang viel lernen musste. Denn anders als viele andere im Feld hatte ich nicht als Kind mit dem Motorsport angefangen. Ich habe dann alles auf mich zukommen lassen und bin ohne Druck an die Sache herangegangen. Das hat gut funktioniert. Als ich dann regelmäßig gefahren bin, hatten wir einige tolle Rennen. Ein Highlight war zum Beispiel der Sachsenring, wo ich als Zweiter erstmals auf das Podium gefahren bin. Auch in Hockenheim, was für mich so etwas wie meine Heimstrecke war, sind wir Zweite geworden. Das werde ich nie vergessen. Ich verfolge das ADAC GT Masters auch heute noch und habe mir fest vorgenommen, mal wieder ein Rennen zu besuchen.“

Robert Renauer (35/Vierkirchen), ADAC GT Masters-Champion 2018: „Die Entwicklung, die das ADAC GT Masters genommen hat, ist unglaublich. Ich habe mein Debüt 2008 auf dem Lausitzring in einem Cup-Porsche von Hermann Speck gegeben. Damals ging es vor allem um den Spaß, die Ergebnisse waren Nebensache. Heute ist das ADAC GT Masters das höchste Level im GT3-Sport, das es gibt. Daher sind wir sehr stolz, dort erfolgreich mitzufahren. Der Titelgewinn 2018 mit Mathieu Jaminet war etwas ganz Besonderes. Es ist schön, dass das ursprüngliche Konzept mit zwei Fahrern beibehalten wurde. Das funktioniert einfach gut. Auf einem so hohen Niveau sich mit einem zweiten Fahrer das Auto zu teilen und zusammen Erfolge zu feiern macht wirklich Spaß. Obwohl die Serie sehr professionell ist, gibt es immer noch ein echtes Teamgefühl – viel mehr, als wenn man alleine in einem Auto fahren würde.“

Daniel Keilwitz (31/Villingen-Schwenningen), Rekordsieger im ADAC GT Masters und Meister 2013: „Ich hatte 2010 die FIA-GT3-Europameisterschaft gewonnen, da war der Wechsel in das ADAC GT Masters ein neuer Schritt in meiner Karriere. Denn es war schon damals die beste Serie im GT3-Bereich – sowohl was das Sportliche als auch was die Medienpräsenz angeht. Und seitdem ist das Niveau noch mal deutlich gestiegen. Als das Angebot von Callaway Competition kam, musste ich nicht lange überlegen. Das ADAC GT Masters war einfach der nächste logische Schritt. Es war und ist für mich sehr wichtig, dort erfolgreich zu sein. Ich habe viele tolle Erinnerungen. Jeder Sieg war schön, denn im ADAC GT Masters zu gewinnen schaffen nicht viele Fahrer. Natürlich war auch der Meistertitel 2013 etwas ganz Besonderes – vor allem weil wir im Jahr davor schon so dicht dran waren. Es hat mich auch sehr gefreut, dass wir 2016 mit der neuen Corvette C7 GT3-R auf Anhieb erfolgreich waren. Toll war auch der zweite Platz auf dem Sachsenring 2019, mein erster Podestplatz mit dem Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing. Er hat sich fast angefühlt wie ein Sieg.“

Christian Abt (53/Kempten), ADAC GT Masters-Champion als Fahrer (2009) und Teamchef (2010, 2013 und 2014): „Die Jahre im ADAC GT Masters waren meine schönsten im Motorsport. Es war einfach sensationell 2009 gleich im ersten Jahr den Titel zu holen. Aber auch die Titel 2010, 2013 und das Meisterschaftsdouble 2014 mit Fahrer- und Teamtitel waren toll. Ich bin auch sehr stolz darauf, was aus unseren damaligen Fahrern geworden. Wir haben von Anfang an auf junge Talente gesetzt, das war uns sehr wichtig. Ob es René Rast war oder Kelvin van der Linde, Christopher Mies oder Jens Klingmann – sie alle haben ihren Weg im Motorsport gemacht und sind erfolgreiche Werksfahrer geworden. Aber es war auch toll, einen Fahrer wie Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier überreden zu können, dass er im ADAC GT Masters startet. Der ADAC hat mit Hermann Tomczyk schon früh auf den GT3-Sport gesetzt und war damit ein Vorreiter. Es ist toll zu sehen, wie sich das ADAC GT Masters weiterentwickelt hat. Das ganze Team des ADAC macht da einen tollen Job. Da kann ich nur den Hut vor ziehen. Ich wünsche dem ADAC GT Masters, dass es auch zukünftig seiner Linie treu bleibt.“

Claudia Hürtgen (49/München), siebenmalige Rennsiegerin im ADAC GT Masters: „Ich habe viele schöne Erinnerungen an das ADAC GT Masters. Natürlich waren alle Laufsiege Highlights. Aber etwas ganz Besonderes waren meine ersten beiden Siege mit dem BMW-Alpina B6 in Oschersleben 2009. Zusammen mit Maxime Martin haben wir es geschafft, sowohl am Samstag als auch am Sonntag zu gewinnen, und dies auf meiner quasi Hausstrecke. Ein weiteres Highlight war mein erster Sieg mit dem BMW Z4 GT3 beim Saisonfinale 2012 auf dem Hockenheimring. Das Fahrzeug hatte damals die BMW-Motorsport-Beklebung mit dem Schriftzug ,I M Claudia‘ auf der Fahrertür. Das hat mich sehr stolz gemacht. Ich denke, dass das ADAC GT Masters über die letzten Jahre die stärkste Rennserie in Deutschland geworden ist. Es hat ein tolles Starterfeld mit einer großen Markenvielfalt, und die Leistungsdichte mit oft mehr als 20 Fahrzeugen in einer Sekunde ist extrem. Für jeden Fahrer ist ein Sieg in dieser Meisterschaft ein megagroßer Erfolg. Auch das Format mit zwei Fahrern funktioniert super. Nur Teamwork plus Perfektion führen zum Erfolg! Außerdem ist das ADAC GT Masters eine gute und harte Schule für junge Fahrer, denn dort können sie unheimlich viel lernen.“

Maximilian Götz (34/Uffenheim), ADAC GT Masters-Champion 2012: „Herzlichen Glückwunsch an das ADAC GT Masters zum 200. Rennen und der tollen Rennserie. Ich selbst hatte im vergangenen Jahr am Sonntag auf dem Red Bull Ring mein 100. Rennen und war damit bei mehr als der Hälfte der Rennen dabei. Ich habe jedes davon genossen. Natürlich war der Titelgewinn 2012 mit Sebastian Asch eines der Highlights, die mir in Erinnerung geblieben sind. Das war eine ganz tolle Sache. Aber es gab aber auch viele weitere schöne Momente, harte Action und enge Fights. Zwei Mal, 2013 und 2014, bin ich ganz knapp am Titel vorbeigeschrammt und 2019 wurde wir Dritte. Auch das waren tolle Jahre. Dass wir 2018 den Titel verpasst haben, war dagegen der härteste Schlag, den ich im Motorsport erlebt habe. Aber das gehört auch dazu. Man muss im ADAC GT Masters bis zum letzten Rennen, bis zur letzten Runde kämpfen, um am Ende ganz oben zu stehen. Wenn man sich anschaut, wie eng das Feld inzwischen zusammenliegt, das spricht einfach für die Serie. Es macht richtig Spaß, Motorsport auf so einem hohen Niveau zu betreiben.“

Christopher Mies (31/Heiligenhaus), ADAC GT Masters-Champion 2016: „Mein persönliches Highlight sind die zwei Saisons mit Connor De Phillippi bei Montaplast by Land-Motorsport 2016 und 2017. Wir waren sehr erfolgreich und haben 2016 im Debütjahr des Teams gleich den Titel gewonnen. Im Jahr drauf haben wir nur knapp die Meisterschaft verpasst. Aber nicht nur sportlich waren es meine vielleicht schönsten Jahre im ADAC GT Masters. Ich hatte auch ein ganz besonderes Verhältnis zu Connor, anders als zu meinen Teamkollegen davor und danach. Deswegen blicke ich sehr gerne auf die beiden Saisons zurück. Es ist schön zu sehen, wie sich das ADAC GT Masters in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Ich denke, da ist in der Zukunft sogar noch mehr möglich, um zum Beispiel die Fans noch mehr für die Serie zu begeistern. Leider ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie der Zugang der Zuschauer beschränkt, denn die Nähe zu den Fans ist eine der Besonderheiten und Stärken des ADAC GT Masters. Normalerweise dürfen sie ins Fahrerlager und an die Boxen. Dadurch sind sie direkt an den Autos und sehr nah am Geschehen. Wir Fahrer quatschen mit ihnen und nehmen uns Zeit. Deswegen freue ich mich sehr darauf, wenn dies wieder möglich ist.“

Jens Klingmann (30/Tägerwilen), neunmaliger Rennsieger im ADAC GT Masters: „Das ADAC GT Masters hat eine wichtige Rolle in meiner Karriere gespielt, schließlich habe ich selbst mehr als 100 Rennen in der Serie bestritten. Für mich das absolute Highlight im ADAC GT Masters sind die wiederkehrend extrem spannenden und engen Rennen, in denen Glück und Pech oft sehr nah beieinanderliegen. Die enorme Leistungsdichte mit teilweise 23 Autos innerhalb von fünf Zehntelsekunden ist für jede andere Rennserie unvorstellbar. Man kann mit einer super Leistung Zehnter werden oder aber auch aufs Podium fahren. Das ist eine ganz besondere Herausforderung und macht den Reiz des ADAC GT Masters aus. Das enge Racing ist spannend für die Zuschauer, denn es kann alles passieren. Aber auch für uns Fahrer ist das sehr spannend. Was ich sehr cool finde, ist, dass das ADAC GT Masters trotz mehr als 30 Startern und dem knallharten Wettbewerb wie eine große Familie ist. Auf der Strecke sind wir keine Freunde, aber abseits davon gilt das absolute Gegenteil. Ich wünsche dem ADAC GT Masters, dass es auch in Zukunft diese hohe Leistungsdichte und sehr viele Hersteller gibt, damit es für die Zuschauer spannend bleibt. Mein persönlicher Wunsch für die Zukunft wären ein Stadtrennen und ein Nachtrennen. Das würde die Serie sicher noch interessanter machen.“

Sebastian Asch (34/Ammerbuch), ADAC GT Masters-Champion 2012 und 2015 und Rekordstarter: „Als ich 2008 in das ADAC GT Masters kam war es für mich ein wirklich großer Schritt. Ich kam aus dem SEAT-Cup und fuhr plötzlich statte eines Fronttrieblers einen GT-Sportwagen mit Mittelmotor und Heckantrieb. Für mich war damals alles neu. Aber ich habe mich gut eingelebt und bin zusammen mit Frank Schmickler gleich Gesamtvierter geworden. Bis auf 2009 als ich im Porsche Carrera Cup fuhr, bin ich seitdem im ADAC GT Masters am Start. Es gab in den Jahren sehr viele Highlights. Natürlich waren die beiden Meisterschaften 2012 und 2015 einzigartig – vor allem die erste, da diese unerwartet kam. Wir sind als Tabellendritte zum Finale gekommen und haben es dennoch geschafft, den Titel zu holen. Das ADAC GT Masters ist eine sehr interessante Serie mit einem tollen Format. Es gibt eine große Markenvielfalt mit sehr unterschiedlichen technischen Konzepten. Die Autos hören sich nicht nur unterschiedlich an, sondern unterscheiden sich auch technisch sehr. Es sind Rennwagen, mit denen sich die Zuschauer identifizieren können, da sie auf echten Straßenautos basieren. Sportlich ist die Serie das Nonplusultra. Ich wünsche dem ADAC GT Masters, dass es so abwechslungsreich bleibt. Und dass es auch weiterhin eine Serie mit Autos und Fahrern zum Anfassen ist. Denn das lieben die Fans.“

Saison 2020